Klyder frisch von der Stange

Zwei Studenten sagen mit ihren selbstdesignten Shirts dem schlechten Geschmack und überteuerten Markenklamotten den Kampf an.

Wir treffen uns an einem Sonntag zum Mittagessen. Ich steure Pasta und Sosse bei und die beiden Jungs bringen Salat und Wein mit. Schon bald sitzen wir vor dem und mit allerlei Knackgemüse veredeltem Salat, der frisch vom Markt kommt. Nico Spinelli und Daniel Schregenberger sind Geniesser, das merkt man sofort - und bleiben dabei doch pragmatisch. Zusammen sind die beiden in Zürich wohnenden Mittzwanziger Klyde, ein von ihnen vor wenigen Wochen neu ins Leben gerufenes Modelabel.

Nähmaschinen-Experimente

"Wir beide kennen uns seit der Kanti", beginnt Daniel, der zurzeit in der Abschlussphase seines Informatikstudiums an der ETH Zürich steckt. "Zusammen mit ein paar anderen Kollegen aus dieser Zeit treffen wir uns noch immer regelmässig." Und so habe denn auch mit Klyde alles angefangen, nimmt Nico, der Industriedesign studiert, den Faden auf: "Als wir zusammen mit unserer kleinen Gang in die Ferien wollten, dachten wir: Hey, da muss ein Gruppenshirt mit einem spezifischen Logo her!" Also habe man sich kurzerhand selber an den integrierten Webrahmen der neuen Nähmaschine von Daniels Mutter, die Handarbeitslehrerin ist, gesetzt und zu experimentieren begonnen. "Doch das Hantieren mit der Maschine war kompliziert und die Ergebnisse wenig ergiebig", resümiert Nico.

Vierzig Shirt-Ideen

Doch so schnell liessen sich die beiden schöpferischen Geister nicht entmutigen: "Als Alternative wichen wir auf den Siebdruck aus, der zwar nicht billig, qualitativ aber sehr gut ist", erklärt Nico. Zudem sollte nun nicht nur das Outfit ihres Freundeskreises, sondern auch der Rest der Welt mit ihren Shirts verschönert werden. In den kommenden Monaten entwickelten Nico und Daniel an die vierzig mehr oder weniger ausgereifte Ideen. "Zu jeder Zeit stand und steht noch immer der Spass an der Sache an erster Stelle", betont Daniel. "Wir haben uns so viel Zeit genommen, wie wir brauchten."

Keine Playboy-Häsli

Bei den Überlegungen standen zwei Gesichtspunkte im Vordergrund: Zum einen sollten die Shirts so günstig wie möglich an den Mann und an die Frau gebracht werden, wobei das Maximum bei 35 Franken pro Stück liegt: "Wir betrachten uns als Künstler und nicht als Business-Leute", stellen die beiden klar. Und mit einem Augenzwinkern fügen sie an: "Es geht uns also nicht darum, das grosse Geld zu machen." Zum anderen steckt hinter Klyde eine modekritische Maxime: "Ich sehe es einfach nicht ein, sechzig Eier für ein Lybli hinzublättern, nur weil da jetzt irgendeine Marke ihr Logo hingeknallt hat", meint Nico. "Wir wollten keine weitere hirnlose Branding-Geschichte durchziehen." Zumal ja die meisten Shirts dieser Sorte ja grafisch ohnehin eher mittelmässig und gar nicht einmal so cool seien - man denke nur einmal an die Playboy-Häsli oder an Shirts mit Aufdrucken wie "Lifeguard" oder "Züri-Schnurre".

Logo als Spiel

No Logo also? "Wir sind nicht prinzipiell gegen Logos. Aber als Werbefläche rumzulaufen und dafür auch noch viel Stutz auszugeben - das kann's definitiv nicht sein", ist sich Daniel sicher. So habe man dann auch nicht auf ein eigenes Logo verzichten wollen: "Doch wir wollten es nicht als Wiedererkennungszeichen im klassischen Sinne verwenden", ergänzt Nico schnell. Vielmehr sollte das Logo - ein stilisiertes "k" für Klyde, das sich immer wieder ein wenig anders präsentiert - subtil ins Design der Shirts eingearbeitet werden. "So ganz im Sinne: Wir haben zwar ein Logo, es ist aber nicht verbindlich. Wir spielen damit", präzisiert Nico.

Umgekippter Laster

Von den vielen Ideen sind nun schliesslich fünf realisiert worden: Fünf Shirts, auf denen ersichtlich wird, was Nico meint, wenn er vom Spiel mit dem Logo spricht: So zeigt etwa eines der Shirts einen umgekippten Laster, der eine ganze Ladung "k's" verloren hat. "Dieses Design war das aufwändigste", kommentiert Nico. "Ich hatte eine fixe Idee im Kopf, die ich unbedingt realisieren wollte." Für ein anderes Shirt namens "Despite" sei man in Zürich rumgekurvt, habe Busleitungen fotografiert und das Material nachher am Computer weiterverarbeitet. "Dies ist übrigens zugleich das offiziell inoffizielle Shirt meiner Indierockband", erläutert Daniel den Shirtnamen. "Mein anderes Baby."

Erste Ladung ausgeliefert

"Despite" ist zudem das erste Shirt, dass die beiden Designer selber nun tatsächlich auch real zu sehen bekommen: Um die Kosten und das Risiko möglichst niedrig zu halten, werden bei Klyde nämlich zuerst die Bestellungen gesammelt (fünfzehn Stück sind nötig), bevor ein Shirt in den Druck geht und ausgeliefert werden kann. Die ersten Besteller stammen vorwiegend aus Nicos und Daniels Kollegenkreis. Was nun, wenn aus Klyde ein regelrechter Hype erwachsen sollte? "Wenn das Projekt Erfolg hätte, würde uns das erstaunen, nicht enttäuschen. Irgendwie wäre es auch bizarr", sagt Daniel. Da sei die Freude am eigenen Anspruch und das Feedback von aussen viel wichtiger.

Und in welchem Outfit lassen sich eigentlich die beiden die Pasta schmecken? Daniel kommt in dezentem Skater-Look und Nico trägt neben einem Seventies-Jäckchen aus dem Secondhand-Shop ein Shirt mit selbst gesticktem Muster, dazu abgelaufene Treter. Sein Kommentar: "Bequem müssen sie sein. Alles andere ist Nebensache."